Was ist Ecoprint?
Ecoprint, auch botanischer Kontaktdruck genannt, überträgt die Form und die Farbe echter Blätter direkt auf Stoff oder Papier. Die Blätter werden fest an die Faser gepresst; Feuchtigkeit, Zeit, Metallsalze und oft Wärme lösen ihre Pigmente und Gerbstoffe und fixieren sie. So entsteht ein Druck, den das Blatt selbst gemacht hat, kein Bild von einem Blatt.
Aktualisiert am 2. November 2026

Wie Ecoprint funktioniert
Jede Werkstatt hat ihre eigene Methode, doch die meisten folgen denselben fünf Schritten.
- Stoff vorbereiten. Der Stoff wird gründlich gewaschen, damit nichts die Fasern blockiert. Viele behandeln ihn zusätzlich mit einer Beize, die der Farbe hilft, sich mit der Faser zu verbinden. Metallsalze sind übliche Beizen.
- Blätter auflegen. Frische oder wieder eingeweichte Blätter werden von Hand auf dem Stoff angeordnet, manchmal nachdem sie in eine Lösung getaucht wurden.
- Einrollen und binden. Stoff und Blätter werden fest eingerollt oder gefaltet und verschnürt. Der enge Kontakt sorgt für einen scharfen Druck.
- Druck fixieren. Viele dämpfen oder köcheln die Rolle. Andere lassen sie in einer Lösung ruhen oder verbinden beides.
- Öffnen und ruhen lassen. Die Rolle wird geöffnet, die Blätter werden abgenommen, und der Stoff ruht, bevor er gespült wird.
Wie LeafSilk arbeitet
Bei LeafSilk werden Blätter verschiedener Bäume auf den Stoff gelegt, der meist aus Seide oder einer Seidenmischung besteht. Dann werden Stoff und Blätter gemeinsam fest eingerollt und verschnürt, und die Rolle ruht in einer Lösung aus Metallsalzen. Manchmal kommt auch Wärme hinzu.
Andere Blätter oder eine andere Lösung verändern das Ergebnis, deshalb ist jedes Stück ein eigener Versuch. Darum reichen die Farben unserer Werke von hellem Ocker über Korallenrot bis Schieferblau, und darum gleicht kein Stück dem anderen.

Warum jeder Druck anders ist
- Der Baum. Gerbstoffreiche Blätter wie die der Walnuss drucken meist kräftig, andere hinterlassen ohne Hilfe kaum eine Spur.
- Die Jahreszeit. Derselbe Baum kann im Frühling anders drucken als im Herbst.
- Die Metallsalze. Eisen vertieft den Druck meist zu Braun, Grau oder Schwarz. Andere Salze verschieben die Farbe in andere Richtungen.
- Der Stoff. Seide und Wolle sind Proteinfasern und nehmen Pflanzenfarbe bereitwillig an. Baumwolle und Leinen sind Zellulosefasern und brauchen meist mehr Vorbereitung.
- Der Kontakt. Eine feste Rolle ergibt klare Adern und Ränder. Eine kleine Lücke hinterlässt einen weichen Geisterabdruck.
Seide hat noch einen Vorteil: Ihre feine, glatte Oberfläche hält kleinste Details fest, etwa die Adern eines Blattes oder die Zähne an seinem Rand.

Woher Ecoprint kommt
Die Entwicklung des Ecoprints wird weithin der australischen Textilkünstlerin India Flint zugeschrieben. Laut dem Australian National Herbarium entwickelte sie ihn während ihrer Forschung für einen Master of Visual Arts an der University of South Australia. Nach eigener Darstellung veröffentlichte sie ihn erstmals 1999 auf einem Symposium in St. Petersburg, und ihr Buch Eco Colour (Murdoch Books, 2008) trug die Methode in die Welt.
Ecoprint im Vergleich mit anderen Verfahren
| Verfahren | Was das Bild erzeugt | Wiederholbar? |
|---|---|---|
| Ecoprint | Ein echtes Blatt, an den Stoff gepresst | Nein, jeder Druck ist einzigartig |
| Digitaler „botanischer“ Druck | Tinte aus einer Bilddatei | Ja, beliebig oft |
| Sieb- oder Blockdruck | Tinte oder Farbe durch ein Sieb oder von einem Model | Ja, das Muster wiederholt sich |
| Hapa Zome | Blätter oder Blüten, in den Stoff gehämmert | Nein, aber die Spuren sind meist weicher |
| Cyanotypie | Der Schatten einer Pflanze auf lichtempfindlicher Beschichtung | Annähernd, das Bild ist immer blau |
Unsicher, was Sie vor sich haben? So unterscheiden Sie echten Ecoprint von Digitaldruck.
Ist Ecoprint umweltfreundlich?
Das „Eco“ in Ecoprint ist der Name einer Technik, keine Umweltaussage und kein Zertifikat. Die Farbe des Drucks stammt von Pflanzen statt von Druckfarbe, doch das Verfahren braucht Wasser, Metallsalze und manchmal Wärme, und mit diesen Lösungen muss sorgsam umgegangen werden. Deshalb bezeichnen wir unsere Stücke nicht als umweltfreundlich. Wir erklären, wie sie entstehen, und überlassen Ihnen das Urteil.
Quellen
- Eco-print, Opening Artists' Books, University of Utah Libraries
- Biography of India Flint, Australian National Herbarium
- Eucalyptographia, India Flint's School of Nomad Arts
- Eco Colour by India Flint, Murdoch Books, 2008
- The Art of Eco-Printing, Alchemist Pro / Fibre2Fashion
- How to make eco printed fabric, FiberArtsy
- Botanical contact printing, Lotta Helleberg